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Am 6. Januar feiert die Kirche
seit den ältesten Zeiten die Erscheinung (Epiphania) des Herrn. Man dachte dabei an gewisse einzelne Vorgänge in seinem Leben, bei denen
seine Gottessohnschaft in besonderem Glanze hervortrat, seine menschliche Geburt, die Huldigung der Magier aus dem Morgenlande, die
Taufe im Jordan und das Wunder zu Kana. Bis zur Mitte des 4. Jhs. beging man in Rom noch den 6. Januar als Geburtstag Jesu. Nach der
Verlegung des Geburtstagsfestes blieb im Abendland die Huldigung der Magier das wesentliche Ereignis des 6. Januar. Der Volksmund in
Deutschland und anderswo redet aber nicht von ihnen, sondern immer nur von den hl. drei Königen. Diese kommen freilich erst im 12. Jh.
recht zur Geltung, nachdem ihre vermeintlichen Reliquien von Rainald von Dassel i.J. 1164 aus Mailand nach Köln überführt worden waren.
Das Epiphaniafest ist das ältestes Fest der christlichen Kirche. Um Mitternacht öffnet sich der Himmel, die hl. Dreifaltigkeit wird
sichtbar, und wer das sieht, dem gehen drei Wünsche in Erfüllung. Der Tag ist bereits um einen Hirschsprung länger geworden. Fröhliche
Feiern finden in der Familie und im größeren Kreise statt. Darum heißt der Dreikönigsabend in bayerischen Gegenden “die feiste Rauhnacht”
und reichliches Essen bringt Segen. Andererseits gilt auch das Fasten als verdienstlich. Wer es von seinem siebenten Jahre an den hl.
drei Königen zu Ehren tut, dem geben sie rechtzeitig bekannt, wann ihm zu sterben bestimmt sei. In der Pfalz muss das Vieh den ganzen
Tag fasten, damit es vor Krankheit geschützt sein möge.
Für das Volk sind die hl. drei Könige an Epiphanias persönlich unterwegs. Um es ihnen nachzumachen, gehen die Leute zum Hochamt mit
Vorliebe in eine entfernte Kirche, weil auch die hl. drei Könige zur Krippe des Heilandes weit gewandert waren. Häufig werden sie als
Helfer gegen die Gefahren der Reise angerufen und ihre Bilder dienen als Amulett. Weil die drei Könige vor Jesu anbetend niederfielen,
wurden sie auch zu Helfern gegen die Epilepsie, Fallsucht. Die Dreikönige behüten vor Brand, Unwetter, Dieben
Am Vorabend des Epiphaniafestes werden allerlei Gegenstände in der Kirche geweiht, vor allem Wasser, Salz und Kreide, als Schutzmittel
für Menschen und Vieh. Mit dem geweihten Wasser werden Wohnräume, Vieh und Ställe, Felder und Weinberge besprengt. Wenn man einen
Schluck davon trinkt, wird man nicht krank. Es hält 7 Jahre, ohne zu faulen. Auch dem Dreikönigssalz wird eine große Heil- und
Segenskraft nachgesagt. Mit der geweihten Kreide aber werden die Namen der drei Könige an die Türen geschrieben (C.M.B.) oder zumindest
drei Kreuze gemacht, um das Unglück oder gar die Erreger von Krankheiten bei Menschen und Tieren abzuhalten. Die Dreikönigsnacht ist die
gefährlichste der zwölf Nächte, in denen unheimliche Mächte unterwegs sind. Unter wildem Lärm ziehen maskierte Schreckgestalten -
Abbilder der Dämonen selbst - gegen sie zu Felde und vertreiben sie mit Schellengeläute, Peitschenknallen, Kettenrasseln und ähnlichem
Getöse. Das macht die Bäume fruchtbar, wie das Herumstapfen der Sternsinger auf den Äckern die Felder. Je mehr “Perchteln” mitlaufen,
desto ertragreicher wird das Jahr. An vielen Orten wandern am Dreikönigstage die Kinder Lieder singend und um Gaben bettelnd von Haus zu
Haus. Die Dreikönigsnacht ist die letzte und größte Rauhnacht. Haus und Stall werden ausgeräuchert. So fern auch der Frühling noch ist,
der Tiefpunkt des Winters ist doch schon überschritten, und die Gefühle der Liebe beginnen sich stark zu regen.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 27.02.2009
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