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Im 9. Jahrhundert finden wir eine Reihe
überragender Persönlichkeiten in Ägypten (Dhu’n Nun, st. 859) und dem Irak
(Rabi’a, die Liebesmystikerin), an die sich die lange, bis zu Dschunaid
von Bagdad (st.910) führende Kette derer schließt, die immer tiefer in das
Geheimnis der göttlichen Einheit eindrangen, verfeinerte Methoden der
Seelenerziehung entwickelten und über das Geheimnis der Liebe zwischen
Gott und Mensch nachdachten. In Iran spannt sich zur gleichen Zeit der
Bogen von dem “Prediger der Hoffnung“, Yahya ibn Mu’adh (st. 872) zu dem
einsamen Bayezid Bistami (st. 874), der wie dunkles Feuer in der
nordpersischen Steppe leuchtet. In Halladsch erreichte die mystische
Bewegung einen ersten Höhepunkt; dieser Mystiker, dessen Ausspruch
ana’l-haqq, “Ich bin die absolute Wahrzeit”, zum geflügelten Wort
zahlloser späterer Dichter wurde, erregte mit seinen Lehren den Zorn nicht
nur der Orthodoxie und der Politiker, sondern auch der gemäßigten
Mystiker. Seine ganz auf persönliche Aneignung der Gotteserfahrung
angelegte Religiosität war zu fordernd für sie. Nach langem Prozess wurde
Halladsch 922 in Bagdad grausam hingerichtet und wurde so zum ersten
mystischen Märtyrer des Islam, zum “Märtyrer” der Gottesliebe.
Hör auf der Flöte Lied, wie es erzählt
Und wie es klagt, vom Trennungsschmerz gequält:
“Seit man mich aus der Heimat Röhricht schnitt,
Weint alle Welt bei meinen Klagen mit “ . . .
Voll Mangel ist das Wort, das wir hier sprechen;
Vom Jenseits stammt das Wort, das ohne Schwächen.
(Sure 57/3)
Komm zurück, komm zurück,
auch wenn du die Reue hundertmal gebrochen hast . . . ?
Annemarie Schimmel
Rumi
Ich bin Wind und du bist Feuer
Leben und Werk
des großen Mystikers
Diedrichs Gelbe Reihe
Letzte Aktualisierung: 27.02.2009
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