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Kritische Gedanken am Anfang des Jahres 2005, in dem sich
die Sendlinger Mordweihnacht zum 300. Male jährt.
Mit der Niederlage vor den
Toren Münchens auf den Fluren von Sendling hatte der Oberländer Aufstand endgültig sein Ende gefunden. Am 21. Dezember 1705 waren die
Bauern aus ihren oberbayerischen Ortschaften aufgebrochen, und am 25. kehrten die wenigen, die aus der Schlacht entkommen waren, in ihre
Heimat zurück, mit einem tödlichen Schrecken im Herzen und der Erbitterung gegen jene, welche sie nach München geführt hatten. Die
Vorbereitungen waren mangelhaft, und bei der Durchführung fehlte es an der notwendigen Leitung. Von Anfang war dieses Unternehmen zum
Scheitern verurteilt, so dass wir uns über sein klägliches und unrühmliches Ende nicht wundern müssen. Unser inniges Mitleid gilt den
unglücklichen Opfern. Jene Personen aber, welche die treibenden Kräfte dieses Aufstandes waren, können sich nicht unserer Sympathie
erfreuen. Patriotische Gefühle dürfen nicht dazu führen, die Wahrheit zu entstellen oder zu verschweigen.
Nur drei bayerische Offiziere, die es nicht vorgezogen hatten, gleich den übrigen Anführern ihr Heil in der Flucht zu suchen, hielten es
bei den Armen aus: Hauptmann Mayer, Oberleutnant Clanze und Leutnant Aberle. Seine eigene Person aufs Spiel setzend, suchte vor allem
Hauptmann Mayer, der immr für den Rückzug war, den Unglücklichen das Leben zu retten. Während die Kaiserlichen sich zum Angriff
ordneten, ließ er dreimal Chamade - das Trommelzeichen, dass man sich ergeben wolle - schlagen und schickte dann einen Tambour zu
General von Kriechbaum, um Gnade zu erbitten und das Leben der armen Leute zu verschonen.
Diese warfen auf freiem
Feld ihre Waffen weg, zogen ihre Rosenkränze heraus und schrieen kniend um Gnade, aber umsonst. Die kaiserlichen Reiter waren nicht mehr
zurückzuhalten; erbittert durch den langen, beschwerlichen Rückzug von Burghausen bis München und erfüllt von tödlichem Hass gegen die
Bauern, mit denen sie sich seit zwei Monaten herumschlagen mussten, stürzten sie sich auf die Wehrlosen und machten unbarmherzig alles
nieder; auch die Infanterie beteiligte sich an dem Gemetzel. Ein Teil der Bauern versteckte sich in den Häusern oder lief in die Kirche.
Sie wurden aber fast alle das Opfer der ihnen nachfolgenden Kaiserlichen, da ein Entkommen aus dem eingeschlossenen Dorfe unmöglich war.
Nachdem es den kaiserlichen Offizieren gelungen war, ihre Leute wieder zur Besinnung zu bringen und die Ordnung wieder herzustellen,
krochen unter den das Feld bedeckenden Toten die noch Lebenden hervor, welche großenteils verwundet waren. Kriechbaum schenkte ihnen das
Leben und ließ sie, nachdem man sie bis zum Abend in der Kälte hatte liegen lassen, später in die Stadt bringen. DieVerluste der
Kaiserlichen betrugen bei Sendling nur 2 Tote und 12 Verwundete.
Die Verluste der Bauern waren außerordentlich groß, da ihnen jede Gefechtsleitung fehlte. Die Zahl der Bauern, die vor München ankamen,
wurde etwa auf 1900 geschätzt. Auf dem alten südlichen Friedhof wurden 682 Gefallene in neun Gräbern beerdigt; 90 in dem Friedhof der
Frauenkirche und 204 in dem Friedhof von Sendling. Im Januar und Februar 1706 starben in München infolge der erhaltenen Wunden noch 56.
Dies ergibt eine Gesamtsumme von 1032 Toten.
Der unglückliche,
verlustreiche Ausgang des Oberländer Aufstandes hatte einen tiefen Eindruck auf das Volk gemacht. Die Tatsache der furchtbaren
Niederlage war nicht aus der Welt zu schaffen, aber das Volk wollte nicht zugeben, dass der Kampf einen so kläglichen und wenig
ruhmvollen Ausgang genommen hat. Der Schmied war von jeher eine Lieblingsgestalt der Volkssage; seine ungeheuere Körpergröße und Kraft
spielt in vielen Volkserzählungen eine Rolle; diese Züge finden wir auch bei unserem Schmied vertreten. Wie Siegfried sein Schwert, so
schmiedet der Schmiedbalthes seine eiserne Keule. Als ein löwenmutiger Kämpfer, welcher Hunderte von Feinden tötet und als letzter mit
der Fahne in der Hand nach hartem Kampf fällt, ist er im Herzen des Volkes fest verankert. Wie die Sage vom Schmied von Kochel
entstanden ist, lässt sich wohl nicht mehr nachweisen. Trotzdem ist er für uns ein Symbol für Tapferkeit, Patriotismus und
Vaterlandsliebe geworden.
Hans Lehrer
Quellennachweis: Karl von Wallmenich
Letzte Aktualisierung: 27.02.2009
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