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Als
nach dem Krieg unser Heimat- und Trachtenbote wieder damit anfing, seine Zeitung
herauszubringen, hieß er noch Oberländer Heimatbote. In der Ausgabe vom 1. Oktober 1949 meldete
sich zum ersten Mal ein Mitglied meines Vereins zu Wort. Es war der Wastl Wolferstätter,
Ehrenvorstand des Oberländer Heimatvereins “Almrauschstamm München e.V. 1893”. Sein Beitrag trug
die Überschrift: “Als die Münchner das Schuhplatteln lernten.” Er hatte nämlich herausgefunden,
dass die Gründungsmitglieder unseres Vereins den “Schuhplattlertanz” von den Schlierseer
Schuhplattlern gelernt hatten, die des öfteren nach München kamen, um bei der Aufführung von
Volksstücken im Gärtnertheater aufzutreten. Bereits im Jahre 1951 befasste ich Wastl
Wolferstätter mit dem Sammeln von Vereinschroniken und appellierte immer wieder im Oberländer
Heimatboten an die Vereine, sie möchten doch eine Vereinschronik erstellen. Jede Chronik sollte
in zweifacher Ausfertigung angelegt werden. Ein Exemplar des Geschriebenen konnte beim Verein
verbleiben, die Zweitschrift jedoch war für das Bayer. Hauptstaatsarchiv bestimmt. Das hatte
seine guten Gründe. Sehr viele wertvolle Vereinschroniken waren im Krieg durch Bombenangriffe
und auch beim Einzug der Amerikaner leider verlorengegangen. Beim Staatsarchiv waren sie seiner
Meinung nach sicherer untergebracht.
Für den Verein war es ein schmerzlicher Verlust, als er den Wastl 1956 zu seinem Grab begleiten
musste. Im Nachruf des Oberländer Heimatboten stand, dass sein Name weiterleben würde und
spätere Generationen sich dankend erinnerten, war er doch derjenige, der das Chronikwesen in
unseren Reihen geschaffen hat. Er war der “Chronist der bayrischen Trachtler”, wie einer einmal
auf einen Briefumschlag, der an ihn adressiert war, geschrieben hatte.
Nach längerem Suchen konnte ich seinen Sohn ausfindig machen, den Wolfgang Wolferstätter, der
bereits siebzigjährig in München lebt. Er lud mich zu sich nach Hause ein, und ich hörte ihm
aufmerksam zu, was er von seinem Vater zu erzählen wusste. In den zwanziger Jahren hatte der
Wolfgang als kleiner Bub neben seinem Vater das ganze Vereinsleben selbst schon miterlebt, fand
allerdings nach der Rückkehr aus dem Krieg keine rechte Lust mehr, als Trachtler weiterzumachen.
Von seinem Vater, Wastl Wolferstätter, erzählte er mir, dass dieser in Großholzhausen auf die
Welt kam. Er wurde ein begeisterter Trachtler und gehörte schon als blutjunger Mensch dem
Trachtenverein “Almrausch-Stamm” in München an. Vor allem wollte er ein guter Plattler werden,
aber der erste Weltkrieg machte seinem Streben ein bitteres Ende. Es “erwischte” ihn so schwer
am Oberschenkel, dass er nicht mehr ans Platteln denken konnte. Dafür widmete er sich um so
eifriger anderen Aufgaben, die ein Trachtenverein an einen Trachtler stellt, der mit Leib und
Seele der Sache dienen will. Dabei brachte er es zu hohen Ehren, wurde er doch zunächst Vorstand
und dann Ehrenvorstand in seinem Verein Almrausch-Stamm 1893.
Allein über 800 Rundschreiben versandte der “Chronist der bayrischen Trachtler” in einem Jahr an
die Trachtenvereine in ganz Bayern. In der Presse warb er für sein Werk. Das mühsame Sammeln von
Chroniken, Zeitungsausschnitten und Fotographien, dieses Aufkleben, Einkleben, Registrieren und
Zusammenstellen von Notizen und Briefen beanspruchte seine ganz Freizeit, die ihm sein Beruf
ließ. “Aber”, so meinte er, “ein echter Trachtler lebt und stirbt für die Trachtensache und so
lange werde ich schon noch leben, bis ich auch vom letzten Trachtenverein die Chronik für mein
Archiv erhalten habe." Leider verstarb der Wastl viel zu früh, gerade einmal sechzig Jahre alt.
Seine Kurze, seine Uhr mit der schönen Kette, werden von seinem Sohn in Ehren gehalten, tragen
jedoch tut sie keiner mehr.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 27.02.2009
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