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Vor
längerer Zeit wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag gestrichen,
und neuerdings ist es der Pfingstmontag, der in einen Werktag umgewandelt werden
soll. Die Abschaffung von Feiertagen zur Schöpfung von mehr Arbeitskraft und
erhöhter Arbeitsleistung gab es jedoch auch schon früher. Bereits Anfang des
letzten Jahrhunderts, kurz nach dem Regierungsantritt des späteren König
Maximilian, wurden schon sehr bald die vielen Apostelfeiertage, ebenso St. Benno
und der Korbinianstag, Wolfgang und Kilian, als Landes- und Diözesan-Patrone und
zahlreiche andere Heiligentage abgeschafft. Die Gendarmerie hatte den Auftrag,
jeden müßigen Arbeiter und Lohngesellen aus dem Wirtshaus zu weisen und im Falle
der Widerspenstigkeit einzusperren. Wer sich an abgeschafften Feiertagen im
besseren Gewand sehen ließ und gar noch zur Kirche ging, wurde sogleich
bestraft. Da half auch kein Gesellen- und Handwerksburschenaufstand, wie er
mancherorts vorkam.
Anlass für diese strengen Bestimmungen waren die Nationalökonomen mit ihrer Ansicht, dass in Norddeutschland, das wesentlich weniger Feiertage hatte, mehr gearbeitet wurde und wirtschaftlich deshalb besser dastand als der Süden. Aber auch katholische Gottesgelehrte forderten ernsthaft eine Reduzierung der Feiertag, da sie in ihrer Überzahl eine Quelle der Armut und des Lasters sahen und nicht vergessen werden durfte, dass die meisten Raufereien und Messerverletzungen bekanntlich an diesen Tagen begangen wurden.
Wegen der übergroßen Zahl roter Striche im Kalender hatte Bayern tatsächlich weit weniger Werktage aufzuweisen, als das übrige Deutschland. Es wurde behauptet, dass dort die schönste Zeit des Jahres mit frommem Müßiggang verstreiche, wobei der Verdienst des Volkes und die Wohlhabenheit des Landes dadurch geringer seien als beim protestantischen Nachbarn.
Bedenklich war es schon, wenn beispielsweise in Tirol die Heiligenverehrung solche Ausmaße annahm, das bereits an 160 Tagen, fast die Hälfte des Jahres, gefeiert wurde. Solche Berechnungen stellte der einfach Mann natürlich nicht an und bemerkte dann oft zu spät, dass er es mit seinem Feiern und der damit verbunden Genusssucht nicht vorwärts gebracht hatte. Um solchen Auswüchsen entgegenzusteuern, erging von der bayerischen Regierung das Mandat, die Kirchen gleich nach der Frühmesse wieder zuzusperren.
Neben
ein paar gesetzlichen Feiertagen sind uns heutzutage nur noch die Namenstage im
Kalender erhalten geblieben, und jedem ist es selbst überlassen, den Heiligen
auf seine Weise zu feiern, den er als Namenspatron verehrt.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 27.02.2009
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