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Immer strenger und umfangreicher werden die Rauchverbote,
und jeder, der von diesem Laster nicht befallen ist, kann froh sein und seinem
Herrgott dafür danken. Ich habe gut reden, denn schon seit meinem fünften
Lebensjahr bin ich Nichtraucher. Ein missglückter Versuch genügte damals, um mir
die Lust am Rauchen für immer zu nehmen. Unter dem Christbaum lag für mich eine
kleine Tabakspfeife aus Ton, die mit Liebesperlen gefüllt war. Nachdem ich die
Süßigkeiten aufgegessen hatte, kam mir die glänzende Idee, diese kleine Pfeife
mit Vaters Tabak zu stopfen. Heimlich musste das geschehen; denn Mutter hätte
mir die Pfeife sicher sofort weggenommen. Aus der Zündholzschachtel holte ich
ein Streichholz, um die Pfeife auch anzuzünden. War es nur Ungeschicktheit oder
gar mein kindliches Unvermögen, dass im selben Augenblick, als das Zündholz zu
brennen anfing, ein Funke ausgerechnet in mein linkes Auge sprang und mich in
Panik versetzte. Die Pfeife warf ich sofort in die Ecke, rieb das schmerzende
Auge, öffnete es langsam wieder und war froh, dass ich damit noch sehen konnte.
Ich dankte meinem Schutzengel und wollte nie wieder etwas von diesem Giftkraut
wissen, das mit beispielloser Geschwindigkeit die Menschen von sich abhängig
machte, mit einem Aufwand von Hunderten von Millionen, der aufgehäuft oder
produktiv angelegt, alle Völker hätte wohlhabend machen können.
Rauchen wurde erst längere Zeit nach Einführung der Tabakspflanze in Europa bekannt und vielfach von kirchlichen und weltlichen Behörden bekämpft. Trotzdem war man davon überzeugt, dass der Tabakgenuss das natürliche Selbstgefühl stärkt, freies Auftreten fördert oder tiefe Inspiration vermittelt. Wie dem auch sei, im volkstümlichen Leben ist Rauchen geradezu ein Sinnbild des geregelten Ablaufs der Werktagsarbeit und der Beschaulichkeit des Feierabends geworden. Es hilft gegen Zahnschmerzen und Mundfäule, wenn der Rauch in die Mundhöhle gelangt. Oft ist ein besonderes Rauchmaterial nötig, um auch andere Krankheiten mit Pfeifenrauch zu behandeln. Wer Schwarzmeisterwurzeln in die Pfeife schneidet und raucht, vertreibt die Hexen und macht sie wild. Ein Knecht entlarvte seine Herrin als Hexe, als er in ihrer Anwesenheit getrocknete Kräuter zu rauchen begann; “kaum ringelten die ersten Wölkchen aus der Pfeife, als die Kastenvögtin am Spinnrad aufsprang, zu stampfen anfing, wie eine Furie in der Stube umherlief und endlich durch eine winzige Ritze in dem tannenen Getäfel . . . hinaus in das Freie flog”. Heute würde man sagen, die Frau wehrte sich gegen das passive Mitrauchen.
Früher war Rauchen noch ein Volksheilmittel. Der Rauch
fördert die Reinigung des Hauptes und des Magens. Er zerteilt alle Hauptflüsse
und Kopfschmerzen, reinigt die Augen, schärft das Gehör und kuriert alle
Zahnschmerzen in wenigen Minuten. Noch Ende des 19. Jahrhunderts glaubte man
fest daran, dass das Rauchen auf nüchternem Magen das beste Heilmittel gegen
Darmträgheit sei, was einen pfiffigen Bauern dazu veranlasste, einem Rindvieh,
das an Verstopfung litt, die Spitze einer brennenden Pfeife in den After zu
stecken.
Heute weiß man, dass Tabakrauch ein giftiges Gemisch aus Nikotin und Teerstoffen ist. Neben Kohlenmonoxiden sind noch über 4000 weitere chemische Substanzen enthalten. Viele davon erzeugen chronische Bronchitis und letztendlich Krebs. Die Herztätigkeit wird beschleunigt, die Blutgefäße verengen sich und somit wird das Durchblutungssystem gestört.
Trotzdem ist es nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 21.02.2009
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