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Auf
der ganzen Welt gibt es viele Marienwallfahrtsstätten. Die Himmelsmutter hat es
sich nicht nehmen lassen, in ihrer mütterlichen Zuneigung, den Menschen von Zeit
zu Zeit selbst zu erscheinen und Wunder zu wirken. Zu den Orten, wo sie sich
zeigte, oder durch sie Zeichen und Wunder geschahen, pilgern die Gläubigen und
erflehen den Segen der Gottesmutter. Seit meiner Kindheit verehre ich besonders
die Gnadenwallfahrtsorte Lourdes und Fatima. Beide Male ist die Muttergottes
dort einfachen Hirtenkindern erschienen, um uns allen dadurch den Glauben an
ihre Wahrhaftigkeit zu erleichtern und zu festigen.
Auch
unsere bayerische Heimat ist reich an Marienwallfahrtsorten. Einem alten Brauch
zufolge, haben die Trachtenvereine des Würmtals vor neun Jahren damit begonnen,
alljährlich die Wallfahrt zur Gnadenmutter nach Maria Eich und Andechs wieder
einzuführen. Um Mitternacht macht sich eine kleine Schar Pilger, mit dem
Kreuzträger an der Spitze, von Pasing aus zu Fuß auf den dreißig Kilometer
langen Weg. Die Straßen meidend, führt die Strecke meist durch Wälder und
Fluren. Nach gut einer Stunde erreichen die Wallfahrer Maria Eich. “Meerstern
ich dich grüße . . . “ tönt es inbrünstig durch die vom Regen noch feuchte
Sommernacht. Zwei Stunden später wird in Unterbrunn bei einer Tasse heißem Tee,
den die Helfer des Roten Kreuzes ausschenken, gerastet. Als der Morgen zu
dämmern beginnt, ist schon gut die Hälfte des Weges zurückgelegt. Unterwegs wird
immer wieder der Rosenkranz gebetet. In Frieding, drei Kilometer von Andechs
entfernt, gesellen sich jene Trachtler hinzu, die den weiten Weg von Pasing her
zu Fuß gescheut haben, aber wenigstens noch das letzte Stück in ihrer Festtracht
mitgehen wollen.
Auch
die Fahnenträger reihen sich in die Pilgergruppe ein. Den Heiligen Berg hinauf
werden die Wallfahrer von der Pasinger Blaskapelle angeführt, und die Menzinger
Böllerschützen lassen es krachen. Vor der Kirche erhält jeder der Teilnehmer
durch den Diakon einen Weihwassersegen. Um zehn Uhr feiert Monsignore Schuster
mit den Pilgern die heilige Messe. Etwas erschöpft, aber glücklich und mit sich
zufrieden, sitzen sie in den Kirchenbänken. Zum feierlichen Abschluss wird, wie
könnte es auch anders sein, die Bayernhymne gesungen. In Andechs muss niemand
hungern und dürsten. Nach der Seelenspeise gibt es das gute, süffige Bier und
die knusprigen Schweinshaxen. Die Musik spielt noch eine Weile zünftig auf.
Jeden möchte ich zu dieser Wallfahrt einladen, wo man seine Sünden durch
körperliche Anstrengung und ein paar Blasen an den Füßen, gut abbüßen kann. Bis
zum nächsten Jahr also, wenn’s wieder so weit ist!.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 15.02.2009
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