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Bei
meiner Ahnenforschung versuche ich die Generation der Eltern, Großeltern,
Urgroßeltern usw. über einen großen Zeitraum hinweg lückenlos aneinander zu
reihen.
Mein Vorgehen darf dabei nicht sprunghaft sein, sondern
hat stets Schritt für Schritt von einer Generation zur unmittelbar
vorhergehenden zu erfolgen. Nur so können Irrtümer ausgeschlossen werden. Mein
Name und Geburtsort, mein Geburtsdatum sowie die Namen meiner Eltern werden
durch meine standesamtliche Geburtsurkunde bestätigt. Am besten lasse ich mir
gleich einen Geburtenregisterauszug in Form einer Fotokopie ausfertigen. Meiner
Geburtsurkunde gehen die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden meiner Eltern
voraus. Die in den Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden enthaltenen Hinweise
(Randvermerke) bestimmen für die Erforschung weiter zurückliegender Generationen
die nächste Vorgehensweise. Standesämter gibt es bei uns in Bayern erst ab 1876.
Vorher wurden alle Beurkundungen durch die Pfarrämter in den Kirchenbüchern oder
sogenannten Pfarrmatrikeln festgehalten. Die Eintragungen erfolgten getrennt
nach Taufen, Trauungen und Begräbnissen, entsprechend der zeitlichen
Reihenfolge.
Die Bücher einer Kirchengemeinde verzeichnen bei der Taufe u.a. den Zeitpunkt
und den Ort der Geburt, die Eltern des Täuflings, seinen Taufnamen und die Namen
seines oder seiner Taufpaten, bei der Trauung die Namen der Brautleute, deren
Stand und Religion, die Namen und Herkunft beider Eltern, bei einem Begräbnis
außer dem Namen des Verstorbenen, dessen Stand und Religion. In Trau- und
Begräbniseintragungen ist darüber hinaus auch noch das Alter vermerkt.
Mein Interesse für die Ahnenforschung ist nicht neu.
Schon als Kind wollte ich mehr über meine Herkunft wissen und radelte zum
Friedhof hinaus, wo ich von den alten Grabsteinen Namen und Daten abschrieb.
Daheim befragte ich die älteren Familienangehörigen und lernte allmählich
wichtige Zusammenhänge kennen.
Aus dieser Zeit stammt auch meine erste Zeichnung eines Stammbaumes. Viele Jahre
vergingen, bis ich mich wieder ernsthaft für die Ahnenforschung zu interessieren
begann. Leider lebten die meisten Leute, die noch etwas von den früheren Zeiten
gewusst hätten, längst nicht mehr, und auf dem Friedhof waren die alten
Grabdenkmäler oder die früheren Inschriften vielerorts verschwunden. Ich begann
in den verschiedenen Archiven zu forschen. Viele Stunden verbrachte ich dort,
studierte alte Protokolle, ging die Kirchenbücher sorgfältig durch, erhielt
Einblick in die Ortssippenbücher oder tauschte meine Erfahrungen mit anderen
Forschern aus. Von großem Vorteil war es, noch die alte Schrift gelernt zu
haben. Immer größere Schwierigkeiten aber bereitete mir der Datenschutz, und es
bedurfte auf den Ämtern allerhand Einfälle, diesen zu umgehen. Lange Zeit
beschäftigten vor allem drei Daten mein Denkvermögen - Geburt - Heirat - Tod.
Ich
fuhr in die nähere und weitere Umgebung, um an Ort und Stelle weiterzuforschen
und mir die nötigen Eindrücke zu verschaffen. Dabei lernte ich auch Nachkommen
unserer gemeinsamen Vorfahren kennen.
Heute besitze ich ein umfangreiches Familienarchiv. Damit gewachsen ist auch der Respekt und die Hochachtung vor meinen Ahnen, denen ich als Glied in einer Kette schließlich meine Existenz verdanke, deren längst in Vergessenheit geratene Vergangenheit ich andererseits wieder zu neuem Leben verholfen habe. Neben einem umfangreichen Datengerüst ist es mir gelung, auch persönliche Dinge aus dem Leben der erforschten Personen zu sammeln. Hierzu gehören vor allem alte Bilder, Handschriften, Briefe, Schulzeugnisse und viele andere Dokumente.
Irgendwann aber kommt es zum Stillstand in meinen Forschungen. Der “tote Punkt” ist erreicht, wo die Kette abreißt, wo es keine Aufzeichnungen mehr gibt, wo durch Brände oder in Kriegszeiten die Bücher vernichtet wurden. Hierzu nützen auch meine Suchanzeigen nichts mehr. Trotzdem freue ich mich immer wieder einmal auf einen Zufallsfund.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 15.02.2009
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