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Der Advent beginnt mit
dem ersten Sonntag nach dem 26. November, dauert bis Weihnachten und schließt vier Sonntage ein. Als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest
wurde bereits auf einer Synode vor tausend Jahren verfügt, dass alle Gläubigen 14 Tage vor Christi Geburt fasten sollten und dass von
Beginn des Advents bis zum Heiligdreikönigstag niemand heiraten dürfe. Mit dem ersten Adventssonntag fängt bei Katholiken und
Protestanten das Kirchenjahr an. Anfänglich galt der Advent der Buße und Abtötung; daher das Fasten. Später sah man in der Adventszeit
auch eine Erinnerung an das alte Testament oder an die Zeit vor Christus. Dass in ihr keine feierlichen Hochzeiten noch sonst
öffentliche Lustbarkeiten gehalten werden durften, blieb auch bei den Protestanten noch lange Sitte. Frauen und Mädchen kamen in
schwarzer Kleidung zur Kirche. Allmählich traten Milderungen ein, und die fröhliche Weihnachtszeit sandte ihren Glanz mehr und mehr auch
in die Adventszeit, so dass diese im Glauben und Brauch ein merkwürdiges Doppelgesicht trägt.
Der Besuch der Roratemessen oder Engelsämter, die an den Advent Sonntagen in aller Frühe beginnen, gilt wegen der damit verbundenen Beschwerden bei Frost und tiefem Schnee als besonders verdienstlich. In die Adventszeit fallen allerlei Umzüge und Bettelgänge, meist von Armen und Kindern ausgeführt. Sie klopfen dabei oft an die Türen und Fenster. Aber auch andere Gestalten, wie der wilde Rupprecht oder die “schiachen Perchten”, wandern von Haus zu Haus und machen in den Stuben ihre Späße oder toben und lärmen auf den Feldern umher zur Freude des Bauern, der sich davon ein gutes Erntejahr verspricht. Durch all diese dämonisch sich gebärdenden Wesen sollen feindliche Mächte vertrieben und zugleich die Fruchtbarkeit gefördert werden.
Viel Brauch und Glaube hat sich an einzelne Tage der Adventszeit angeknüpft. Was einem in der Andreasnacht träumt,
geht in Erfüllung, und obendrein ist der Heilige sogar Heiratsvermittler. Der Barbaratag gilt als Festtag, vorzüglich gefeiert von
Bergleuten und Grubenarbeitern. Der Thomastag ist der kürzeste Tage des Jahres und ist für die Erforschung der Zukunft besonderes
geeignet. Man muss sich in dieser Nacht so ins Bett legen, dass der Kopf da liegt, wo sonst die Füße liegen; dann träumt man, was im
folgenden Jahr geschieht. Keinerlei Gemeinsamkeit hat die hl. Lucia als Lichtbringerin mit der Luzelfrau, die sich in schreckhafter
Gestalt zeigt. In Stroh gehüllt und mit verwirrten Haaren droht sie dem jungen Weibervolk und den Kindern, den Bauch aufzuschlitzen und
Stroh und Kieselsteine hineinzustecken.Wie gut, dass es da noch den hl. Nikolaus gibt, der von Haus zu Haus geht oder reitet, um die
Kinder zu beschenken oder zu bestrafen.
Als Kind wollte ich mir meinen Adventskranz selbst binden, weil kein Geld vorhanden war, um einen zu kaufen. Um den schweren Eisenreifen
eines Wagenrades band ich die grünen Fichtenzweiglein mit einer Pressschnur, wie man sie zum Daxenbüschelbinden verwendet, und Vater
schlug einen dicken Nagel in die Zimmerdecke, wo der schwere Kranz gefährlich über unseren Köpfen schwebte. Die ganze Familie sang
"Tauet Himmel den Gerechten . . . " und Mutter verteilte eine kleine Kostprobe ihrer leicht verbrannten Anisschnitten und Nussplätzchen,
die sie nach einem alten Rezept jedes Jahr vor Weihnachten im Ofenrohr backte. Jeden Tag aber durfte ich ein Fenster im Adventskalender
aufmachen und meine Freude auf Weihnachten steigerte sich von Tag zu Tag.
Hans Lehrer
Letzte Aktualisierung: 15.02.2009
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